Sonntag, 1. März 2015
Karenz
Heute ist nun also der erste offizielle Tag meiner Väterkarenz - wobei der sich von einem "normalen" Sonntag kaum unterscheidet: Ein bisschen Vorarbeiten für die Woche, damit die Angelegenheiten, für die ich mir ab jetzt nur noch 25% meiner regulären Arbeitszeit nehmen will, einigermaßen ordentlich erledigt werden können.

Natürlich ist es ein Privileg, die Väterkarenz mit dem damit verbundenen Einkommensverlust ohne Existenzsorgen antreten zu können. Dauerhaft würde ich mit 25% des Professorengehaltes vermutlich nicht zurechtkommen, sicher jedenfalls nicht ohne meine Lebensumstände ganz massiv ändern zu müssen. Aber die Karenzzeit ist überschaubar, und ich muss zugeben, dass ich mich nicht mal hingesetzt und auf einem Zettel aufgeschrieben habe, was das jetzt finanziell bedeutet und was ich mir nun noch leisten kann und was nicht.

Und auch wenn ich kein Beamter bin, sondern "nur" Angestellter im öffentlichen Dienst nach Kollektivvertrag, muss ich keine Sorge haben, dass sich die Tatsache, dass ich Väterkarenz nehme, auf meine Karriere oder mein berufliches Fortkommen auswirkt. Als Professor wird man eh nicht mehr befördert - und meine Karenzvertretung, sofern wir hoffentlich für den Zeitraum eine finden, sägt weder an meinem Drehstuhl noch verschaffe ich einem Kollegen-Konkurrenten eine bessere Ausgangsposition auf eine gemeinsam von uns angestrebte Stelle mit noch mehr Verantwortung/ Umsatz/ Mitarbeitern/ Fensterachsen im Büro.

Umgekehrt muss ich aber sehr wohl sehen, dass ich die laufenden Projekte so gut es geht weiter monitore, die laufenden Dissertationen und Diplomarbeiten weiter betreue und auch die Netzwerke und Kontakte weiter pflege, um neue Forschungsprojekte und neue Finanzierungen zum Ersatz für die (aus-)laufenden Förderungen an Land zu ziehen.

Das größte Privileg ist es aber, einen munteren Sohn zu haben, dem ich meine Zeit widmen darf und der mich dafür belohnt, indem er mich ab und zu von seinem Rosinenbrötchen abbeißen lässt.

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